Die letzten Zeugen
 
 
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Mina Gampel: Sie überlebte, weil ihre Familie tausende Kilometer bis nach Kirgistan floh


Mina Gampel im November 2023 in Stuttgart (Foto: Birgit Mair)

Mina Gampel (geb. Juszkiewicz) wurde am 14. August 1940 in Pinsk im heutigen Weißrussland geboren. Die allermeisten der 30.000 Einwohner*innen waren jüdisch. Mina war das achte Kind einer armen jüdischen Familie. Ihr Vater arbeite abwechselnd als Schuster und Fischer; die Mutter verkaufte belegte Brote.

Nach dem Einmarsch der Deutschen in die Sowjetunion im Juni 1941 floh die Familie fast fünftausend Kilometer in Richtung Südosten. Diese Entscheidung war lebensrettend, denn fast alle Pinsker Jüdinnen und Juden wurden von den Deutschen ermordet. Über Kiew und Stalingrad gelangte die zehnköpfige Familie in den asiatischen Teil der Sowjetunion, nach Samarkand und Taschkent in Usbekistan und schließlich nach Kirgistan. Auf dem Weg dorthin wurde der Vater, Mosche Juszkiewicz, in die Rote Armee eingezogen.

Zwei Brüder von Mina starben an Krankheiten, einer wurde von einem Wehrmachtssoldaten erschlagen. Mutter Chasche-Lea (geb. Furman) lebte nun mit fünf Kindern alleine in Frunse (heute Bischkek). Die Familie erhielt Unterstützung aus den Reihen der Bevölkerung der kirgisischen Stadt. Noch vor Kriegsende desertierte der Vater, um die Familie zu unterstützen. Er fand seine Frau und die Kinder, musste sich als Deserteur jedoch verstecken.

Nach Kriegsende wollte die Familie zurück nach Pinsk, erhielt jedoch keine Reiseerlaubnis dorthin. Man schickte sie wie viele andere jüdische Überlebende ins polnische Stettin. Dort besuchte Mina die Schule bis zur Mittleren Reife und heiratete später. 1957 wurde ihr die Ausreise nach Israel erlaubt, wo sie sich zehn Jahre lang aufhielt. Sie wurde dort Mutter von drei Kindern. Gemeinsam mit ihrem Ehemann und den Kindern siedelte sie 1967 nach Deutschland um. Seit 1969 lebt und arbeitet sie in Stuttgart, wo sie lange Zeit als Kindergärtnerin tätig war.

Noch im hohen Alter studierte sie im Rahmen eines Studium Generale Kunstgeschichte, Geschichte und Philosophie an der Universität Stuttgart. Zudem absolvierte sie Ausbildungen an der Kunstakademie Esslingen und an der Europäischen Kunstakademie der Bildenden Künste in Trier. Sie ist eine überregional bekannte, jüdische Künstlerin. Seit 1993 ist sie Dozentin an der Kunstakademie Esslingen.

Motive ihrer Bilder sind unter anderem Szenen aus den von den Nazis zerstörten jüdischen Schtetl in Osteuropa. Ihre Kunstwerke wurden in Museen und Galerien ausgestellt, unter anderem in Nancy, Zürich, Genf, Berlin, Stuttgart, Tel Aviv, Antwerpen, Stettin, Warschau und London. Als Künstlerin ist bis heute aktiv.

2018 veröffentlichte sie ihre Autobiographie „Meine vier Leben – Weißrussland, Polen, Israel und Deutschland“. (deutschsprachige Ausgabe: ISBN: 978-3-00-059646-9 – Bestellung über den Buchhandel oder über amazon). Polnischsprachige Ausgabe: ISBN-978-83-942774-6-8)

Die Holocaust-Überlebende spricht deutsch, polnisch, jiddisch, hebräisch und russisch.

Mina Gampel steht für Vorträge mit anschließender Fragerunde sowohl in Präsenz (im Raum Bayern und Baden-Württemberg) als auch online (bundesweit) für Zeitzeugengespräche zur Verfügung.

Anfragen

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E-Mail: info(ät)isfbb.de
 
Impressum: Birgit Mair, c/o ISFBB e.V., Rennweg 60, D-90489 Nürnberg
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