Die letzten Zeugen
 
 
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Fritz Pilz: Als Kind einer jüdischen Mutter durfte er keine Lehre antreten und wurde zur Zwangsarbeit verpflichtet

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Dieses Foto von Fritz Pilz entstand im Jahr 2019 bei einem Fotoshooting im ISFBB-Büro Nürnberg (Foto: Daniela Meyer Fotografie Sülzburg)

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Fritz Pilz als Schulkind (Foto: Reproduktion Birgit Mair / ISFBB e.V.)
Fritz Pilz wurde 1928 in Pethau bei Zittau im heutigen Sachsen geboren und starb am 9. September 2020 in Nürnberg. Er wurde von den Nationalsozialisten als "Halbjude" verfolgt. Seine jüdische Mutter wurde 1944 verhaftet und nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Als Jugendlicher musste Fritz Pilz im Zwangsarbeitslager Miltitz für die Nationalsozialisten arbeiten. In Dresden gelang ihm 1945 die Flucht zu einem Verwandten.

Nach dem Krieg hatte sich der völlig mittellose Halbwaise in Lauf an der Pegnitz niedergelassen, wo er sich in der Folgezeit gesellschaftlich sehr engagierte und ein neues Leben aufbauen konnte. Er ist vielen Menschen in der Region unter anderem deshalb bekannt, weil er tausenden von Kindern das Schwimmen beigebracht hat. In der Nachkriegszeit kämpfte Fritz Pilz wie viele andere Holocaust-Überlebende vergeblich um eine angemessene Entschädigung seines Leides.

Seit 2019 trat er im Rahmen der Zeitzeugenarbeit des Nürnberger Instituts für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung (ISFBB) e.V. an Schulen in Nürnberg, Erlangen und Neu-Ulm auf und berichtete hunderten Schülerinnen und Schülern aus seinem Leben. Am 15. September 2019 hörten mehr als dreihundert Interessierte bei einer vom ISFBB organisierten Zeitzeugenveranstaltung im Nürnberger Gewerkschaftshaus seinen Lebensbericht.

Das Verfolgungsschicksal von Fritz Pilz und Dokumente aus seinem Leben sind in dem 2019 erschienenen Buch „Die letzten Zeugen – meine Arbeit mit Holocaust-Überlebenden an Schulen“ von Birgit Mair veröffentlicht. Darüber hinaus hat Birgit Mair hat von 2019 bis 2020 mehrere Zeitzeugengespräche mit ihm in seinem Haus in Lauf an der Pegnitz durchgeführt. Dabei wurden zahlreiche O-Ton-Mitschnitte gefertigt. Anfang März 2020 führte sie ein letztes Interview mit dem damals 91-Jährigen, das sie filmen durfte. Seine Tochter übergab uns nach seinem Tod zahlreiche Dokumente, unter anderem zum Entschädigungsverfahren sowie von Fritz Pilz selbst gemalte Landschafts-Aquarelle. Hierfür bedanken wir uns herzlich. Fritz Pilz starb im Alter von 92 Jahren. Er engagierte sich für Geflüchtete und kämpfte aktiv gegen den wachsenden Rassismus in unserer Gesellschaft.
 
Impressum: Birgit Mair, c/o ISFBB e.V., Rennweg 60, D-90489 Nürnberg
Tel. 0911-54055934, Fax 0911-54055935, info@die-letzten-zeugen.de