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Titel des Dokuments: Eva Rößner (1926-2020)
 
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Birgit Mair und Eva Rößner am 4. Juni 2018 im Saal Burgblick des Gewerkschaftshauses Nürnberg (Fotorechte: ISFBB e.V.)

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Eva im Jahr 1942 (Foto: Privat)

Eva Rößner wurde als Eva Jakob am 25. Dezember 1926 in Nürnberg geboren. Ihr Vater Walter Jakob kam aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie. Sie und ihr Bruder galten nach den 1935 erlassenen, rassistischen Nürnberger Gesetzen als "Mischlinge 1. Grades". Der Großvater väterlicherseits, Max, betrieb einen Grabsteinhandel. Ihre Eltern waren kommunistisch engagiert. Bereits 1933 wurde ihre Mutter Grete Jakob verhaftet und ohne Prozess in "Schutzhaft" in das Frauengefängnis Aichach deportiert. Ihrem Vater, Walter Jakob, gelang die Flucht in die benachbarte Tschechoslowakei, wo er sich dem Widerstand anschloss. Nachdem beide Eltern weg waren, kamen die kleine Eva und ihr Bruder zu den Großeltern mütterlicherseits, Anna und Sebastian Bleistein. Sie lebten zu fünft in der Dachmansarde einer kleinen 2-Zimmer-Werkswohnung der MAN in Nürnberg. Unter dem Druck der Nazis ließ sich Grete Jakob 1934 von ihrem jüdischen Ehemann scheiden. Nur so kam sie aus dem Gefängnis frei. Dennoch wurde sie - wie ihr geschiedener Mann - im Juli 1936 ausgebürgert und galt als "staatenlos". Es folgten Schikanen: Beispielsweise musste sie ihre Arbeitserlaubnis monatlich erneut beantragen, wofür sie Geld bezahlen musste. Erst nach langen Kämpfen erhielt sie 1937 die Staatsbürgerschaft wieder. Ein Jahr später, in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Wohnung der jüdischen Großeltern von Eva in der Sophienstraße nahezu komplett zerstört. Die wenigen Gegenstände, die die "Pogromnacht" überlebt haben, durfte Birgit Mair im Jahr 2021 fotografieren. Einige von ihnen werden hier abgebildet.

Max und Resi Jakob, die Großeltern väterlicherseits mussten zunächst von der Nürnberger Südstadt in ein „Judenhaus“ in der Theodorstraße in den Norden der Stadt ziehen, wo sie mit weiteren jüdischen Familien zusammengepfercht wurden. Am 24. März 1942 wurden sie mit dem zweiten Nürnberger Judentransport nach Izbica deportiert. Dort verliert sich ihre Spur. Wie viele andere wurden sie am 8. Mai 1945 für tot erklärt. Vor dem ehemaligen "Judenhaus" in der Theodorstraße erinnern "Stolpersteine" an die Ermordeten. Der jüdische Vater von Eva Rößner, Walter Jakob, starb 1942 im Exil in England. Sein Grabstein befindet sich in Leeds.
Im Jahr 2009 beteiligte sich Eva Rößner an einer ISFBB-Zeitzeugenveranstaltung in der Marthakirche Nürnberg. Sie starb am 17. Januar 2020. Am 20. Juni 2021 fand in Nürnberg eine bewegende Gedenkveranstaltung für Eva Rößner statt.

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Weihnachten im Jahr 1934 in der Sophienstraße in Nürnberg - Eva Jakob mit Großmutter Therese Jakob, Mutter Grete und Bruder Hans (Foto: Privat)

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Eva mit ihren jüdischen Großeltern. Beide wurden später von den Nationalsozialisten ermordet. (Foto: Privat)

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Diese Mokkatasse aus dem Besitz der jüdischen Großeltern von Eva Rößner überlebte die Pogromnacht 1938 in Nürnberg (Foto: Birgit Mair 2021)

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Diese Gegenstände aus dem Besitz der jüdischen Großeltern von Eva Rößner überlebten die Pogromnacht 1938 in Nürnberg (Foto: Birgit Mair 2021)


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Dieser Pokal aus dem Besitz der jüdischen Großeltern von Eva Rößner überlebte beschädigt die Pogromnacht 1938 in Nürnberg (Foto: Birgit Mair 2021)

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Diese Gegenstände aus dem Besitz der jüdischen Großeltern von Eva Rößner überlebten die Pogromnacht 1938 in Nürnberg (Foto: Birgit Mair 2021)


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Diese Zigarettenutensilien aus dem Besitz der jüdischen Großeltern von Eva Rößner überlebten die Pogromnacht 1938 in Nürnberg (Foto: Birgit Mair 2021)

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Diese Reste eines Likörsets aus dem Besitz der jüdischen Großeltern von Eva Rößner überstanden die Pogromnacht 1938 in Nürnberg (Foto: Birgit Mair 2021)

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Eva mit ihren Eltern im Jahr 1929. Nach Machtantritt der Nationalsozialisten wurde die Mutter verhaftet, der jüdische Vater floh ins Exil (Foto: Privat)

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Zahlreiche Fotos der Familie von Eva Rößner überstanden die nationalsozialistischen Verfolgungen. Einige Gegenstände aus dem Besitz der jüdischen Großeltern von Eva Rößner überlebte die Pogromnacht 1938 in Nürnberg

Hier geht es zu einem Radiobeitrag auf Radio Z, bei dem es um das Leben der Zeitzeugin geht.


Literaturhinweis

Ein Aufsatz von Renate Geyer mit dem Titel "Die Geschichte der Frauen Jakob 1933 bis 1945" im Buch "Am Anfang war Sigena. Ein Nürnberger Frauengeschichtsbuch" beleuchtet auf elf Seiten auf eindrucksvolle Weise das Schicksal von Eva Rößner und ihrer Familie. (1999 ars vivendi verlag Cadolzburg; Hg. Bennewitz, Nadja / Franger, Gaby, S. 236-247). Das Buch ist nur noch antiquarisch zu erhalten oder kann in der Stadtbibliothek Nürnberg ausgeliehen werden.